Kann Geld sicher angelegt werden?

Was bedeutet „sicher“?

Wenden wir uns nun dem Prozess des Sparens und damit dem tatsächlichen Aufbau von Vermögen zu.

Grundvoraussetzung für richtiges Sparen ist die Bereitschaft, in regelmäßigen Abständen (z.B. monatlich) weniger Geld auszugeben als man einnimmt. Gelingt das, muss “nur noch” die passende Anlageform gefunden werden.

In vielen Kundengesprächen höre ich immer wieder die Aussage: “Mein Geld soll sicher angelegt werden!” Auf meine Nachfrage, was denn unter einer sicheren Anlage zu verstehen sei, antworten die Kunden fast immer, dass sie sich eine regelmäßige (z.B. jährliche) feste Verzinsung ihres Kapitals wünschen und schon jetzt wissen wollen, was Sie am Ende der Veranstaltung als Rückzahlung garantiert erwarten können.

Als gemeinhin sicher wird eine Staatsanleihe der Bundesrepublik Deutschland (sog. Bundesanleihe) angesehen. Bei einer Anleihe handelt es sich um ein festverzinsliches Wertpapier, das mit einem festen (Zins-)Kupon ausgestattet ist und am Ende der Laufzeit zu einem festen Betrag (z.B. zum Nominalwert) vom Emittenten/Herausgeber/Anleihegläubiger (in unserem Fall der BRD) zurückgekauft wird. Anleihen werden oft auch als Rentenpapiere oder Schuldverschreibungen bezeichnet.

Eine Staatsanleihe der BRD gilt deswegen als sicher, weil man davon ausgehen kann, dass die BRD ihren Zahlungsversprechen (Zinszahlung und fester Rückzahlungsbetrag) nachkommen wird. In der finanzwissenschaftlichen Fachsprache heißt es, dass in Bezug auf die BRD kein “Emittenten Risiko” besteht. Unter einem Emittenten Risiko wird das Risiko zusammengefasst, dass der Gläubiger einer Anleihe während der Anleihelaufzeit seine Zinszahlungen oder die Rückzahlung ganz bzw. teilweise nicht leistet (z.B. aufgrund einer Insolvenz des Emittenten). Die Einschätzung bzgl. des Emittenten Risikos der BRD kann sich natürlich im Zeitablauf ändern.

Aktuell erzielt man z.B. mit einer Bundesanleihe mit 10 Jahren Restlaufzeit eine Rendite von ca. 1,5% p.a., wenn man die Anleihe heute kauft und bis zur Fälligkeit in 10 Jahren hält (Will man die Anleihe vorher verkaufen, so ist das über eine Börse möglich. Allerdings besteht dann die Gefahr, dass der Verkaufspreis unterhalb des festgelegten Betrags liegt, den der Emittent am Ende der Laufzeit bezahlt. In diesem Fall spricht man von einem “Kursrisiko”). Wer also heute 1.000€ in eine solche Anleihe investiert, erhält in 10 Jahren 1.160,54€ zurück.

In Deutschland wird allerdings auf Einkünfte aus Kapitalanlagen die Abgeltungssteuer (25%) zzgl. Solidaritätszuschlag (5,5% von 25%) erhoben. Mithin verbleiben von den ursprünglichen 1,5% p.a. Rendite nach Steuern nur 1,1% beim Anleger. Er erhält somit nach 10 Jahren tatsächlich nur 1.115,16€ zurück.

Soweit so gut könnte man meinen. Wer sich aber vor Augen führt, dass man vor ca. 10 Jahren in einem Restaurant für ein Zigeunerschnitzel mit Pommes 12 DM (also 6,14€) bezahlt hat und heute für dieses Gericht 10€ oder 11€ verlangt werden, der ahnt, dass man sich in 10 Jahren mit den dann vorhanden 1.115€ u.U. weniger kaufen kann als mit den 1.000€ heute.

Neben dem Staat nimmt uns nämlich auch noch die Geldentwertung (die sog. Inflation) unsere Zinserträge ab. Aktuell beträgt die Inflationsrate im Euro-Raum ca. 2,7% p.a. Folglich verzinst sich das Kapital im o.g. Beispiel nicht mit 1,1% p.a. nach Steuern. Vielmehr erzielt der Anleger nach Steuern und Inflation (unter der Annahme, dass die Inflationsrate von 2,7% konstant bleibt) eine Rendite von -1,6% p.a. Unser Anleger kann also in 10 Jahren – in heutiger Kaufkraft gerechnet – nur noch Güter im Wert von 851,04€ kaufen.

Kann man eine solche Anlage wirklich als sicher bezeichnen? Ich glaube das kann man nicht!

Als Fazit lässt sich festhalten: Sichere Geldanlagen gibt es nicht! Wer Ihnen etwas Anderes erzählt, der belügt Sie!

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