Anlage-Alternativen und die Auswahl der passenden Anlageform

Richtig investieren

Nachdem wir im 4. Teil festgestellt haben, dass es keine “sicheren” Geldanlagen gibt, sollen in diesem Kapitel mögliche Alternativen aufgezeigt werden.

Der “potenzielle” Sparer sollte als erstes prüfen, auf welchen Geldbetrag er monatlich (auf Dauer) verzichten kann. Der Sparbetrag sollte zumindest demjenigen Betrag entsprechen, den unserer Sparer bereits vorher zum Aufbau der Liquiditätsreserve bzw. zur Schuldentilgung monatlich aufwenden konnte (da der Mensch ein “Gewohnheitstier” ist, hat er sich bereits an Verzicht auf diesen Geldbetrag gewöhnt).

Zur Auswahl der passenden Anlageform sollte er dann einen Plan davon haben, wofür er eigentlich sparen möchte. Als Sparziele kommen bei jungen Leuten z.B. das eigene Auto, die eigene Wohnung inkl. Wohnungseinrichtung/Hausrat, eine Heirat mit Familiengründung, der Kauf eines Hauses/einer Eigentumswohnung oder eine berufliche Selbstständigkeit infrage. Bei der Auswahl der passenden Anlageform sollte folgendes beachtet werden:

Je kürzer die Anlagedauer ist, desto eher kommen Rentenfonds in Frage, und je länger das Geld “liegenbleiben” kann, desto vorteilhafter sind Aktienfonds.

Was sind nun eigentlich Fonds und wie funktionieren sie?

Ein offener Investmentfonds, kurz als Fonds bezeichnet, ist ein Konstrukt zur Geldanlage. Eine Investmentgesellschaft (deutscher Fachbegriff: Kapitalanlagegesellschaft) sammelt das Geld der Anleger, bündelt es in einem Sondervermögen – dem Investmentfonds – und investiert es in einem oder mehreren Anlagebereichen. Die Anteilscheine können in der Regel börsentäglich gehandelt werden. Das Geld im Fonds wird nach vorher festgelegten Anlageprinzipien z. B. in Aktien, festverzinslichen Wertpapieren und/oder in Immobilien angelegt. Man spricht dann je nachdem von einem Aktien-, Renten- oder Immobilienfonds.

Investmentfonds müssen im Regelfall bei der Geldanlage den Grundsatz der Risikomischung beachten, das heißt es darf nicht das gesamte Fondsvermögen in nur eine Aktie oder nur eine Immobilie investiert werden. Durch die Streuung des Geldes auf verschiedene Anlagegegenstände (Diversifikation) wird das Anlagerisiko reduziert.

Mit dem Kauf von Investmentfondsanteilen wird der Anleger Miteigentümer am Fondsvermögen und hat einen Anspruch auf Gewinnbeteiligung und Anteilsrückgabe zum jeweils gültigen Rücknahmepreis. Der Anteilswert bemisst sich nach dem Wert des gesamten Fondsvermögen dividiert durch die Anzahl der ausgegebenen Anteile.

Das Fondsvermögen wird professionell verwaltet und ist nach deutschem Recht Sondervermögen, d.h. die Anlagen müssen strikt getrennt von dem Vermögen der Gesellschaft gehalten werden. Diese Regelung garantiert den Vermögenserhalt auch bei Insolvenz der Kapitalanlagegesellschaft. Das Sondervermögen steigt durch neue Einlagen von Anlegern und durch Kurs-, Dividenden- und/oder Zinsgewinne bzw. fällt durch Rückerstattung von Anteilen oder Verluste.

Rentenfonds

Ein Rentenfonds ist ein Investmentfonds, der in eine Vielzahl von festverzinslichen Wertpapieren, wie zum Beispiel Pfandbriefe, Unternehmens- oder Staatsanleihen investiert. Ihren Wertzuwachs erwirtschaften diese Fonds durch die Zinszahlungen sowie den Handel mit den gehaltenen Wertpapieren. Überproportional profitieren Rentenfonds in Zeiten sinkender Zinsen, da in diesen die Kurse der Anleihen steigen. Auf der anderen Seite fällt es Rentenfonds schwerer, in Phasen steigender Zinsen eine positive Rendite zu erwirtschaften. Sein Anlegerkreis sind Sparer mit dem Anlageziel stetiger Erträge. Rentenfonds weisen im Vergleich zur direkten Geldanlage in nur ein festverzinsliches Wertpapier ein wesentlich eingeschränkteres Kursrisiko auf. Chancen und Risiken eines Rentenfonds hängen gleichwohl von Anlageregion, Anlagehorizont (Restlaufzeit) und der Sicherheit der Emittenten ab. Ein Ausfall der Zinszahlungen und der Rückzahlung gilt bei Anleihen guter Emittenten als unwahrscheinlicher als bei solchen von schlechter bewerteten Emittenten. Die Anleihen schlechter bewerteter Emittenten, bieten dafür in der Regel als Ausgleich für das höhere Ausfallrisiko höhere Zinsen. Investiert ein Rentenfonds in fremden Währungen, besteht für den Halter des Fonds ein zusätzliches Währungsrisiko.

Aktienfonds

Ein Aktienfonds ist ein Investmentfonds, der in eine Vielzahl von Aktien investiert. Er kann global als internationaler Aktienfonds investieren oder Aktien aus speziellen geographischen (Regionen, Länder) oder wirtschaftlichen (Branchen) Bereichen zusammenfassen. Auch die Abbildung eines bestimmten Börsenindexes (z.B. dem Deutschen Aktienindex “DAX”) ist möglich. Aktienfonds sind für Sparer mit dem primären Ziel der Wertsteigerung interessant. Höheren Chancen, falls die betreffende Branche eine haussierende (positive) Börsenphase verzeichnet, stehen im Fall einer Baisse (sinkende Kurse) gegebenenfalls Verluste entgegen. Neben möglichen Kurssteigerungen wirken sich auch Dividendenzahlungen (Gewinnausschüttungen der einzelnen Aktiengesellschaften an Ihre Aktionäre bzw. an den Aktienfonds) positiv auf die Gesamtrendite eines Aktienfonds aus. Aufgrund der breiten Anlagestreuung eines Aktienfonds ist die Anlage in Aktienfonds jedoch meist weit weniger risikoreich als eine Direktanlage in einzelne Aktien. Außerdem kann der Anleger seinen Aufwand an Fachwissen, Zeit und entsprechendem Vermögen im Vergleich zur Direktanlage geringer halten. Für den Anleger ebenfalls wichtig ist die Währung der Aktien, in die der Fond investiert. Notiert ein Teil der Aktien in einer fremden Währung, besteht ein Währungsrisiko. Es kann so zu Wechselkursverlusten, aber auch zu zusätzlichen Gewinnen aus der Entwicklung des Devisenkurses kommen.

Sobald aber Heirat, Familie, Eigenheim oder Selbstständigkeit wider Erwarten kein Thema bzw. keine Sparziele sind, rückt schnell die Altersvorsorge in den Mittelpunkt. Hier gibt es neben Optimismus und Zuversicht und allen Unkenrufen zum Trotz nur eine Lösung: Aktienfonds! Wichtig ist freilich die Bereitschaft, die Risiken zu tragen. Wer die Kursschwankungen an der Börse nicht aushält, muss sich nicht schämen. Nur sollte er dann eben die Finger vom Aktienmarkt lassen.

Bei dem Wort “Aktien/Aktienfonds” schrillen bei vielen meiner Kunden immer wieder die Alarmglocken. Ich werde dann mit Aussagen konfrontiert wie: “Mit Aktien kann man erhebliche Verluste erleiden.” oder “Ich möchte bei meiner Anlage aber zu 100% wissen, was am Ende für ich herausspringt.” Natürlich weiß man bei Aktien nicht, was am Ende der geplanten Laufzeit tatsächlich an Wert vorhanden ist. Wie wir aber im 4. Teil dieser Serie festgehalten haben, gibt es nun mal keine “sicheren” Geldanlagen. Auch dass man mit Aktien “Verluste” in Form von sinkenden Aktienkursen erleiden kann, ist nicht von der Hand zu weisen. Man erleidet den Verlust aber nur dann, wenn man die Aktien bei einem niedrigeren Aktienkurs verkauft als man sie eingekauft hat. Verkauft man sie zu dem niedrigen Kurs nicht, sondern hält sie weiter, erleidet man auch keinen Verlust. Genauso wenig macht man einen Gewinn, wenn die Aktien über den Kaufkurs steigen und man die Aktien weiter behält. Man macht den Gewinn nur dann, wenn man sie tatsächlich zu dem höheren Kurs verkauft. Bevor man die Papiere also tatsächlich verkauft unterliegt man lediglich der Illusion, dass man einen Gewinn erzielt bzw. einen Verlust erlitten hat.

Bei einem Aktieninvestment ist es wichtig, dass man auf das Geld nicht kurzfristig angewiesen ist. Wer z.B. im Zeitraum zwischen 1990 und 2002 Aktien von Blue-Chips (Blue-Chips= große, an ihren Märkten etablierte Unternehmen wie z.B. Nestle, BASF, Siemens oder BP) aus Europa gekauft hat und diese jeweils 10 Jahre im Bestand hielt, hat in 8 von 12 Fällen eine positive durchschnittliche Rendite erzielt (min. 7% p.a., max.  21% p.a.). In 4 von 12 Fällen erzielte man durchschnittlich eine negative Rendite (max.  -2,6% p.a., min. -1,6% p.a.). Betrachtet man die Jahre 1990 bis 1998 und eine jeweilige Haltedauer der Aktien von 14 Jahren, so stellt man fest, dass man in diesem Zeitraum mit europäischen Blue -Chips durchweg positive durchschnittliche Renditen p.a. erzielt hat (min. 1,8% p.a., max. 13,1% p.a.).

Renditedreieck einer Aktienanlage

Als Beimischung (max. 10%-15% des gesamten Wertpapierdepots) zu den Aktienfonds bieten sich Investmentfonds an, die in Rohstoffe/Edelmetalle investieren. Auch offene Immobilienfonds (max. 10% des gesamten Wertpapierdepots) sind zur Abrundung der persönlichen Anlagestrategie geeignet.

Je nach Risikoneigung des Sparers kann in den letzten 5 Jahren vor dem geplanten Beginn des Ruhestands eine sukzessive Umschichtung in Rentenfonds erfolgen.

Hier noch ein wichtiger Hinweis: Abgesehen von einem Sparbuch bzw. Tagesgeld- oder Festgeldkonto gibt es nur fünf “echte” Anlageklassen, in die man investieren kann. Diese sind Aktien, festverzinsliche Wertpapiere (sog. Renten), Immobilen, Rohstoffe und Edelmetalle. In diese Anlageklassen kann man entweder direkt investieren (man kauft z.B. eine Immobilie oder eine bestimmte Aktie) oder man investiert mit Hilfe eines Investmentfonds. Banken hingegen bieten gerne auch Investments in die genannten Anlageklassen mit Hilfe sog. Zertifikate an. Diese werden von Banken herausgegeben (fachsprachlich: emittiert). Um solche Papiere sollten Sie aber einen großen Bogen machen, da es sich hierbei um nichts Anderes als “Wettscheine” handelt. So können Sie z.B. auf die Entwicklung einer bestimmten Aktie wetten. Wie bei jedem Glücksspiel gewinnt hier aber fast immer die Bank (u.a. in Form von hohen Gebühren). Sollte die Bank, die das Zertifikat herausgegeben hat, Insolvenz anmelden, so sind Ihre Zertifikate (“Wettscheine”) wertlos (siehe auch den Fall “Lehman Brothers Inc.”). Es handelt sich bei diesen Zertifikaten nämlich nicht um ein Sondervermögen analog einem Investmentfonds, sondern um Inhaberschuldverschreibungen der herausgebenden Bank. Im Fall der Insolvenz der Bank können Sie sich nur, wie ganz viele andere Gläubiger auch, aus der Insolvenzmasse (sofern vorhanden) bedienen.

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