Wie Sie finanzielle Risiken beim Tod eines Elternteils für Ihre Kinder reduzieren können ...

Die Todesfallabsicherung

Bei Familien mit kleinen bzw. minderjährigen Kindern kann der Tod eines Elternteils zu erheblichen finanziellen Risiken führen.

Stirbt der Hauptverdiener der Familie liegen die finanziellen Risiken auf der Hand. Vom einen auf den anderen Tag ist die größte Einkommensquelle versiegt. Die laufenden Kosten z.B. für Miete, Kredite, Unterhalt oder für die Ausbildung der Kinder reduzieren sich allerdings kaum.

Aber auch der Tod des Elternteils, der bisher “hauptverantwortlich” für den Haushalt und die Kindererziehung war und ggf. auch noch einen Teil zum Familieneinkommen beigesteuert hat, kann zu finanziellen Risiken führen. Damit der Hauptverdiener sein Einkommen in der bisherigen Höhe weiterhin beziehen kann, ist oftmals eine Haushaltshilfe und eine externe Kinderbetreuung von Nöten. Dies alles kostet zusätzliches Geld.

Wie kann eine Familie für diese Art von Risiko Vorsorge betreiben? Zunächst gibt es unter gewissen Voraussetzungen Hilfe vom Staat.

Witwen-/Witwerrente

Wenn der Ehepartner (für eingetragene Lebenspartnerschaften gilt das Nachfolgende ebenfalls) stirbt, so hat der Hinterbliebene einen Anspruch auf eine Witwen- bzw. Witwerrente (im Folgende wird aus Gründen der Vereinfachung nur von Witwenrente gesprochen).

Einen Anspruch auf die Witwenrente hat der überlebende Ehepartner, wenn der Verstorbene die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren in der gesetzlichen Rentenversicherung erfüllt hat. Ferner muss die Ehe länger als 1 Jahr bestanden haben.

Bei der Witwenrente wird zwischen der großen und der kleinen Witwenrente unterschieden.

Die Höhe beider Witwenrenten ist in den ersten drei Monaten immer gleich. Sie wird in Höhe einer Versichertenrente gezahlt – man spricht auch vom Sterbevierteljahr.

Zur Erlangung der großen Witwenrente muss mindestens eine der folgenden Bedingungen erfüllt sein:

• Der Hinterbliebene muss erwerbsgemindert sein oder
• er muss ein minderjähriges, waisenrentenberechtigtes Kind erziehen oder
• er muss das 45. Lebensjahr vollendet haben (diese Altersgrenze steigt stufenweise bis 2029 auf 47 Jahre).

Ist keine dieser Bedingungen erfüllt, hat der Hinterbliebene Anspruch auf die kleine Witwenrente. Die kleine Witwenrente wird allerdings nur für zwei Jahre gezahlt.

Nach Ablauf der ersten drei Monate (Sterbevierteljahr) erfolgt die Berechnung der Witwenrente wie folgt:

• Die kleine Witwenrente beträgt 25 % der gezahlten bzw. berechneten Rente wegen voller Erwerbsminderung in der Rentenanwartschaftsphase bzw. der zum Todeszeitpunkt gezahlten Altersrente in der Rentenphase. Sie wird max. 24 Monate gezahlt.
• Die große Witwenrente beträgt 55 % der gezahlten bzw. berechneten Rente wegen voller Erwerbsminderung in der Rentenanwartschaftsphase bzw. der zum Todeszeitpunkt gezahlten Altersrente in der Rentenphase.
• Einkünfte des Hinterbliebenen werden im Rahmen der Einkommensanrechnung auf die Rente angerechnet.
• Darüber hinaus kann ggf. ein Zuschlag für Kindererziehung zur Rente beantragt werden.

Heiratet allerdings der Hinterbliebene wieder, fällt die Witwenrente in dem Monat weg, in dem die Ehe geschlossen wurde.

Die Höhe Ihres Anspruchs auf Witwenrente können Sie hier berechnen.

Waisenrente

Ist nur ein Elternteil verstorben, spricht man von einer Halbwaisenrente, sind beide Elternteile verstorben, von einer Vollwaisenrente.

Die Waisenrente wird grundsätzlich bis zur Volljährigkeit gezahlt. Darüber hinaus kann sie nur bezogen werden, wenn sich das Kind in einer Ausbildung befindet, wie z.B. Schule, betriebliche Ausbildung oder Erststudium.

Es gilt die Höchstaltersgrenze von 27 Jahren bei Kindern in Ausbildung bzw. körperlich oder geistig behinderten Kindern. Bei einer Unterbrechung der Ausbildung durch Wehrdienst oder Zivildienst wird die Berechtigungsdauer um den entsprechenden Zeitraum verlängert. Bei einer Schulausbildung ist Voraussetzung, dass sie Zeit- und Arbeitskraft der Waise ganz oder überwiegend in Anspruch nimmt. Bei Ableistung eines Europäischen Freiwilligendienstes wird keine Waisenrente gezahlt.

Wenn die volljährige Waise wie eine vollwertige Arbeitskraft entlohnt wird, besteht kein Anspruch auf Waisenrente mehr. Auch werden bei Waisenrenten an über 18-jährige Waisen seit der Rentenreform 2001 Vermögenseinkünfte oberhalb eines bestimmten Freibetrags zu 40 Prozent angerechnet.

Der Waisenrentenanspruch wird durch eine Eheschließung oder Eingehen einer Lebenspartnerschaft nach dem 18. Lebensjahr nicht ausgeschlossen. Sie erlischt auch nicht mit der Adoption des Waisenrentenberechtigten.

Die Höhe der Waisenrente ist von der Höhe der Rentenansprüche des Verstorbenen abhängig und muss individuell berechnet werden.

Die Ansprüche aus Witwen- bzw. Waisenrente reichen in der Regel aber nicht annähernd aus, um die finanzielle Lücke zu schließen, die der Tod eines Elternteils in die Familienkasse reißt. Diese Lücke kann allerdings (oft auch kostengünstig) durch eine Risikolebensversicherung geschlossen werden. Folgendes Beispiel soll aufzeigen, wie die notwendigen Versicherungssummen zu berechnen sind:

Ein Ehepaar (beide 35 Jahre alt) hat eine Tochter (8 Jahre alt). Die Familie wohnt zur Miete in einer 100qm-Wohnung. Der Vater ist Kaufmännischer Angestellter und bezieht ein Gehalt i.H. von 2.500€ netto monatlich. Die Mutter arbeitet als Teilzeitkraft bei einem Steuerberater und erhält ein Gehalt von 750€ netto pro Monat. Da Witwen mit Kindern auf dem Heiratsmarkt nur schwer “wiedervermittelbar” sind, sollen der Familie, für den Fall, dass der Vater verstirbt, solange monatlich 2.000€ (neben dem Gehalt der Mutter) zur Verfügung stehen, bis die Tochter 25 Jahre alt ist. In diesem Alter sollte sie in der Lage sein “auf ihren eigenen Beinen” stehen zu können. Danach sollen der Mutter bis zum 65. Lebensjahr monatlich 500€ neben Ihrem Gehalt zur Verfügung stehen. Verstirbt der Vater heute, müssen also 204 Monatsraten à 2.000€ und im Anschluss 156 Monatsraten à 500€ zur Verfügung stehen. Bei einem angenommenen Anlagezins von 3% p.a. und einer angenommen, künftigen Inflationsrate von 2% p.a. benötigt die Familie Kapital i.H. von ca. 435.000€, damit die o.g. Beträge jeden Monat auf das Konto fließen können. Mit jedem Jahr, dass der Vater länger lebt, sinkt das benötigte Kapital der Familie. Er sollte daher eine Risikolebensversicherung mit einer anfänglichen Todesfallleistung von 435.000€ abschließen. Die Versicherungssumme kann jedes Jahr um einen fixen Betrag sinken. Für einen 35-jährigen Nichtraucher kostet ein derartiger Versicherungsschutz ca. 23€/Monat.

Für den Fall, dass die Mutter verstirbt, sollen der Familie, bis zum 25 Geburtstag der Tochter, jeden Monat (zusätzlich zum Gehalt des Vaters) 500€ zur Verfügung stehen, damit der Vater weiterhin Vollzeit arbeiten und die Kinderbetreuung “extern eingekauft” werden kann bzw. die Ausbildung der Tochter finanziert ist.  Verstirbt die Mutter heute, müssen also 204 Monatsraten à 500€ zur Verfügung stehen. Bei o.g. Anlagezins und Inflationsrate benötigt die Familie Kapital i.H. von ca. 95.000€. Daher sollte auf das Leben der Mutter eine Risikolebensversicherung mit einer anfänglichen Todesfallleistung von 95.000€ abgeschlossen werden. Die Versicherungssumme kann jedes Jahr um einen fixen Betrag sinken. Für eine 35-jährige Nichtraucherin kostet ein derartiger Versicherungsschutz ca. 4€/Monat.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass eine vernünftige Hinterbliebenenvorsorge nicht teuer sein muss.

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