erstellt von Mike Richter

Verstirbt ein (Mit-)Gesellschafters einer GmbH, kann für die Gesellschaft ein erheblicher Bedarf an zusätzlicher Liquidität entstehen. Der Grund dafür können die bestehenden Regelungen zur Erbfolge im Gesellschaftsvertrag sein. Kennst Du die betreffenden Regelungen in Deinem Gesellschaftsvertrag? Hast Du Dir schon mal überlegt, welche Auswirkungen diese Regelungen für Dich und die Gesellschaft haben können?

 

 

Diese Regelungen im Gesellschaftsvertrag können zu Problemen führen

Gemäß §15 Abs. 1 GmbHG sind die Geschäftsanteile an einer GmbH veräußerlich und vererblich. D.h. zunächst, die Gesellschafter einer GmbH können ihre Anteile frei veräußern und vererben. Wer die Geschäftsanteile erbt, bestimmt sich nach dem Erbrecht und insbesondere danach,

  • ob sich die Abfolge nach dem gesetzlichen Erbrecht bestimmt oder
  • ob es ein Testament bzw. einen Erbvertrag gibt oder nicht.

Weiter ist zu prüfen, ob der Gesellschaftsvertrag der GmbH folgende Regelungen enthält:

  • Sind die Mitgesellschafter berechtigt, den vererbten Geschäftsanteil gegen eine Abfindung einzuziehen?
  • Sind die Erben verpflichtet, die geerbten Geschäftsanteile an eine bestimmte Person zu verkaufen?

In beiden Fällen geht es darum, die Gesellschaft zu bewerten und einen angemessenen Abfindungsbetrag zu ermitteln. Hier muss außerdem geprüft werden, ob der Gesellschaftsvertrag eine Regelungen zur Bewertung der Geschäftsanteile enthält.

Häufig finden sich in den Gesellschaftsverträgen Regelungen, dass zur Bestimmung des Abfindungsbetrags der Buchwert der Beteiligung an dem Unternehmen zu ermitteln ist. Eine solche Klausel kann allerdings zum Problem für die Gesellschaft bzw. die verbleibenden Gesellschafter werden. Weicht der Buchwert nämlich zu stark vom tatsächlichen Verkehrswert der Geschäftsanteile ab, so kann diese „Buchwert-Klausel" unwirksam sein. Der zu zahlende Abfindungsbetrag entspricht dann dem Verkehrswert der Beteiligung. Der Verkehrswert kann natürlich viel höher sein als der Buchwert. Falls Du eine solche Klausel in deinem Gesellschaftsvertrag findest, solltest du dazu Rat bei einem Rechtsanwalt einholen.

Auf jeden Fall solltest Du Dir die Frage stellen, wie kann ich oder die Gesellschaft den Abfindungsbetrag für die Auszahlung des Erben aufbringen? Reicht dazu mein eigenes Vermögen? Reicht dazu das Vermögen der Gesellschaft?

Beispiel:

Eine GmbH hat drei Gesellschafter. Jeder Gesellschafter hält 1/3 der Geschäftsanteile. Der Buchwert der Gesellschaft beträgt 300.000 € und der Verkehrswert 1 Million €.

Nun verstirbt ein Gesellschafter und der Gesellschaftsvertrag sieht vor, dass die Mitgesellschafter berechtigt sind, den vererbten Geschäftsanteil gegen eine Abfindung einzuziehen. Je nachdem, ob der Buchwert oder der Verkehrswert für die Berechnung des Abfindungsbetrages herangezogen wird, beträgt der Liquiditätsbedarf 100.000 € (1/3 vom Buchwert) oder 330.000 € (1/3 vom Verkehrswert). Können die verbleibenden Gesellschafter diesen Betrag nicht aufbringen, haben Sie plötzlich einen neuen Mitgesellschafter. Fraglich ist, ob dies immer so gewünscht wird.

Was kann ich machen, damit meine Gesellschaft für diesen Fall ausreichend Barmittel zur Verfügung hat?

Falls dein Vermögen oder das Vermögen der Gesellschaft nicht ausreicht oder geschont werden soll, kann folgender Lösungsweg beschritten werden:

Du kannst eine Risikolebensversicherung für jeden Gesellschafter zugunsten der GmbH abschließen. Voraussetzung ist natürlich, dass es der Gesundheitszustand der jeweiligen Person zulässt. Du solltest außerdem darauf achten, dass die GmbH Versicherungsnehmer wird. Versicherte Person ist dann der jeweilige Gesellschafter.